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Projekt „Wildbienenkirschen-Biotopverbund“

Flur zur Kirschblüte (© Joachim Lissner)

Das zunächst einjährig angelegte Kooperationsprojekt „Biotopverbund für Wildbienen in Kirschanlagen“ startete am 1.12.2018 und endete zum 31.12.2019. Das Folgeprojekt "Förderung der Biodiversität im Gartenbau - Kirschanlagen als Nist- und Nahrungshabitat für Wildbienen" ist für den Zeitraum vom 01.01.2020 bis zum 31.12.2022 angelegt.

Folgende Kooperationspartner sind am aktuell laufenden Projekt beteiligt:

  • Service Verband Gartenbau Thüringen e.V.
  • Landesverband Gartenbau Thüringen e.V.
  • „Großfahner Fruchtgarten“ e.G.
  • "Fahner Gold" e.G.
  • "Döllstädter Obstgenossenschaft" e.G.
  • "Fahner Obstbau" GmbH
  • Absatzgenossenschaft "Fahner Obst" e.G.
  • Die Anbauberaterin Lena Philipp
  • Rose Saatzucht Erfurt
  • Obstgut Geier GbR
  • Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf e.V.

Des Weiteren wird das Projekt in der wissenschaftlichen Begleitung von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum, in besonderem Maße vom Lehr- und Versuchszentrum für Gartenbau in Erfurt unterstützt.

Förderung der Biodiversität im Gartenbau - Kirschanlagen als Nist- und Nahrungshabitat für Wildbienen

© Joachim Lissner

Förderung der Biodiversität im Gartenbau - Kirschanlagen als Nist- und Nahrungshabitat für Wildbienen

Das Projekt „Förderung der Biodiversität im Gartenbau – Kirschanlagen als Nist- und Nahrungshabitat für Wildbienen“ beinhaltet ein mehrjähriges systematisches Monitoring, um einen Handlungsleitfaden für das Wildbienenmanagement im Intensivobstanbaugebiet Fahner Höhen in Gierstädt zu entwickeln. ...mehr lesen
Biotopverbund für Wildbienen in Kirschanlagen

© Lehr- und Versuchszentrum Gartenbau, Erfurt

Biotopverbund für Wildbienen in Kirschanlagen

Das übergeordnete Ziel des Projekts war es, Biotopverbundflächen aufzubauen bzw. das Umfeld der Kirschanlagen in den Fahner Höhen so aufzuwerten, dass Wildbienen einen passendes Nahrungshabitat vorfinden können. ...mehr lesen

Insektenhotels am Rande der Kirschplantagen (© Ann-Kathrin Pöpel-Eisenbrandt)

Ziele der Projekte

Das übergeordnete Ziel der Projekte ist es, Biotopverbundflächen aufzubauen bzw. das Umfeld der Kirschanlagen in den Fahner Höhen so aufzuwerten, dass Wildbienen einen passendes Nahrungshabitat vorfinden können. Mit Maßnahmen zur dauerhaften Etablierung und der möglichen Ausweitung der bestehenden Populationen der Wildbienen Osmia cornuta und Osmia bicornis soll eine Ertragsstabilisierung im Produktionsverfahren Kirschenanbau erzielt werden. Aufgrund dessen kann davon ausgegangen werden, dass die Biodiversität im Gebiet hinsichtlich Pflanzen und Insekten ebenso erhöht werden kann.

Da das eine nicht kurzfristig erreichbare Zielstellung ist, wurde in dem Projekt "Biotopverbund für Wildbienen in Kirschanlagen" die Antragstellung eines längerfristigen Projekts angestrebt und zum 30.06.19 erfolgreich ein Projektantrag mit verschiedenen Versuchsfragestellungen, weiteren Kooperationspartnern und einem breiter angelegten Themenfeld eingereicht.

Das Folgeprojekt "Förderung der Biodiversität im Gartenbau - Kirschanlagen als Nist- und Nahrungshabitat für Wildbienen" geht nun noch intensiver auf die Fragestellungen des Vorläuferprojekts ein. Es werden umfassendere Beobachtungen und Versuche zum Verhalten der Wildbienen und auch anderer Insekten in den Kirschanlagen der Fahner Höhen gemacht, um die Bedingungen für deren Etablierung, Vermehrung und deren Verbleib an den Standorten zu optimieren.

Wildbienen

Neben Honigbienen spielen die Mauerbienen eine wichtige Rolle für die Bestäubung im Obstbau. Um nur einige positive Eigenschaften zu nennen:

  • die Bestäubung geschieht meist „bee-to-tree“ und es gibt keine Sortenstetigkeit, sodass ein guter Pollenaustausch stattfinden kann
  • Mauerbienen besuchen mehr Blüten je Zeiteinheit als Honigbienen
  • Mauerbienen sammeln den Pollen trocken am Bauch und im Gegensatz zur Honigbiene nicht mit Nektar vermischt, folglich kann ein guter Pollenaustausch stattfinden, wodurch eine gute Pollenkeimung bedingt wird und letztendlich Voraussetzung für eine sehr gute Befruchtung ist
  • Mauerbienen wählen zwar zwischen einer großen Pflanzenartenanzahl als Nektar- und Pollenquelle, aber bevorzugen trotzdem Blüten von Obstbäumen
  • Beide Mauerbienengeschlechter sind effektive Bestäuber, da es keine Arbeitsteilung wie bei Honigbienen gibt
  • Mauerbienen sind bereits bei niedrigeren Temperaturen unterwegs als Honigbienen

Aufgrund der Aktivität von Mauerbienen im Frühjahr, eignet sich diese Wildbienen-Gattung, darunter besonders Osmia cornuta und Osmia bicornis, für die Bestäubung in Kirschanlagen.

Kirschblüte

Die Kirsche ist eine befruchtungsbiologisch schwierige Obstart, da sie als Vertreter der Pflanzenfamilie Rosaceae, wie die meisten anderen Arten dieser Familie, als selbststeril gilt. Des Weiteren muss sich bei der Süßkirsche ein hoher Blütenanteil, je nach Sorte 40-50% der Blüten, zur Frucht entwickeln, um einen Vollertrag zu erreichen. Außerdem ist der Pollen von Rosaceaen wegen seiner Größe und Beschaffenheit nur bedingt und über sehr kurze Strecken für die Windbestäubung geeignet, das heißt die Bestäubung auf Insekten angewiesen.

Da die Kirsche zeitig im Frühjahr blüht, ist sie natürlichen Risiken für wechselhafte und tiefe Temperaturen ausgesetzt. Nicht nur die Insekten benötigen eine gewisse Temperatur und Wetterlage zum Ausfliegen, sondern auch die erfolgreiche Befruchtung hängt maßgeblich von den Temperaturen ab, was ein weiteres unvorhersehbares Risiko in der Süßkirschenproduktion mit sich bringt. Bei der Süßkirsche gibt es also – anders als bei anderen Obstarten – verschiedene größere Probleme, die bei der Bestäubung und Befruchtung auftreten können.

Die Fahner Höhe zur Kirschblüte (© Joachim Lissner)

Der Obstanbau an der Fahner Höhe in Gierstädt blickt auf eine lange Geschichte zurück. Zurückzuführen sind die Anfänge des Obstbaus auf Pfarrer Siegler aus Kleinfahner. Dieser hat bereits 1891 die ersten Süßkirschen in die Region gebracht.

Obstproduktion heute

Heute produzieren die Betriebe der Erzeugerorganisation Absatzgenossenschaft „Fahner Obst“ e.G. auf ca. 1000 ha rund um die Fahner Höhen.

Dabei spielen die Kirschen, mit einer Anbaufläche von 350 ha (69 % des Thüringer Anbaus), immer noch eine wichtige Rolle und bilden das größte Süßkirschenanbaugebiet in Mitteldeutschland.

Mit einer Erntemenge von 1500 t Süßkirschen im Jahr bedient somit allein dieses Anbaugebiet über 5 % der deutschen Ernte am Markt.

Strategisch perfekte Lage

Schon damals beruhte die Entscheidung genau dort den Obstbau anzusiedeln auf den besonderen geographischen und klimatischen Gegebenheiten. Die geschützte Lage durch den bewaldeten Höhenrücken wirkt sich sehr positiv auf den Anbau von Süßkirschen aus. Außerdem kann die Kaltluft aufgrund der Hanglage besser abfließen und die Süßkirschen sind daher bei Frostnächten zur Blütezeit weitestgehend vor Frostschäden geschützt.

Seit 2014 werden Maßnahmen ergriffen, um die für die frühe Blütezeit der Kirschen wichtigen Befruchter, nämlich Mauerbienen, im Gebiet zu etablieren. Jedes Jahr werden neue Wildbienennisthilfen aufgestellt. Bis zum Beginn des Projektes wurde aber keine genaue Dokumentation zu Aufstellort bzw. Nutzung der Nisthilfen vorgenommen. Es stand lediglich die Aussage im Raum, dass die Nisthilfen unterschiedlich genutzt werden und die aktuelle Bestäubungsleistung derzeit nicht genau beschrieben werden kann.

Ann-Kathrin Pöpel-Eisenbrandt (© Foto: Franziska Gräfenhan)

Lebensraum für Wildbienen verbessern – Projekt auf der Fahner Höhe gestartet

Artikel & Foto: Franziska Gräfenhan, Thüringer Allgemeine Zeitung 30.04.2019

Viele Wildbienenarten sind vom Aussterben bedroht. Ein Verbund mehrerer Thüringer Partner will dies ändern – auch mit Hilfe von Obstanbauflächen.

Die Wildbiene hat es nicht leicht. Die Bestände gehen seit Jahren zurück, viele der insgesamt 550 Wildbienenarten sind vom Aussterben bedroht. Dieser Entwicklung soll das Pilotprojekt „Wildbienenkirschen-Biotopverbund“ etwas entgegensetzen.

Zum TA-Artikel auf www.thueringer-allgemeine.de

 

Wildbienen

Thüringen: Förderung für den Biotopverbund für Wildbienen

Artikel: Herrn Schmidt, 30.04.2019 auf Thüringen im Blick

Das Land Thüringen fördert das Vorhaben „Wildbienenkirschen-Biotopverbund“ auf den Obstanbauflächen der Fahner Höhe. „Das einjährige Pilotprojekt untersucht, wie der Lebensraum von Wildbienen und anderen Wildinsekten im Umfeld von Kirschbaumanlagen verbessert werden kann“, sagte Agrarministerin Keller heute anlässlich der Auftaktveranstaltung in Gierstädt. „Die Wildbienen sind neben den Honigbienen die wichtigsten Befruchter der Kirschblüten. Wenn es gelingt, die Population der Wildbienen zu erhöhen, profitiert auch der moderne Obstbau mit höheren Erträgen davon“, sagte Keller. ...

gesamten Artikel auf thib24.de lesen

Weitere Informationen zum Folgeprojekt sowie Ergebnisse des einjährigen Projektes werden im Frühjahr 2020 an dieser Stelle zu finden sein.

Für Fragen und Informationen zum Projekt wenden Sie sich bitte an:

Service Verband Gartenbau Thüringen e.V.
Alfred-Hess-Straße 8
99094 Erfurt

Ansprechpartnerin:

Meike Luderer-Pflimpfl
Tel.: 0361/ 26 25 33 11
Mail: m.luderer-pflimpfl_at_gartenbau-in-thueringen.de

Das Projekt „Biotopverbund für Wildbienen in Kirschanlagen findet im Rahmen der Förderrichtlinie LFE - Förderung der Zusammenarbeit in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft in Thüringen des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft statt und wird zu 25 % aus den Mitteln des Freistaats Thüringen sowie zu 75 % aus ELER-Mitteln gefördert.

Quellen:

Apáti et al.: Intensiver Süßkirschenanbau; 2010

Feucht et al.: Kirschen- und Zwetschgenanbau; 2001

Havenith, Christian: Bestäubung durch Wildbienen - eine Option für den Obstbau; 2007

Kornmilch, Johann-Christoph: Einsatz von Mauerbienen zur Bestäubung von Obstkulturen, 2010

 

ELER